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Holocaust-Gedenken 2023: Öffentliche Kranzniederlegung am ehemaligen KZ-Außenlager Buchenwald in Witten-Annen

Ort der Erinnerung

Am Freitag, 27. Januar, findet um 13 Uhr ein öffentliches Gedenken am Erinnerungsort „Ehemaliges KZ-Außenlager Buchenwald” in Witten-Annen, Immermannstraße / Ecke Westfeldstraße statt: mit Kranzniederlegung durch den Bürgermeister der Stadt Witten, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, den Freundeskreis der Israelfahrer e. V. und Schülerinnen und Schülern der Holzkamp-Gesamtschule. Im Anschluss daran lädt die Evangelische Kirchengemeinde Annen zu einem Gedankenaustausch in die Erlöserkirche, Westfeldstraße 81, ein.

Der Holocaust-Gedenktag

Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1996 gesetzlich verankerter Gedenktag. Er erinnert an alle Opfer – weiblichen, männlichen und unbestimmten Geschlechts – des totalitären Nazi-Regimes: Juden, Christen, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, politisch Andersdenkende, Widerstandsleistende, Zeugen Jehovas, Kriegsgefangene und Deserteure, Frauen und Männer in Wissenschaft und Kunst, Zwangsarbeitende – Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft gesellschaftlich ausgegrenzt, entrechtet, verfolgt, gequält und ermordet wurden. 2005 wurde der 27. Januar in Anlehnung an den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch Einheiten der Roten Armee, am 27. Januar 1945, von den Vereinten Nationen zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust erklärt.

Gedenken an NS-Verfolgte seit den 1990er Jahren

Die Stadt Witten, das Stadtarchiv im Kulturforum, die Deutsch-Israelische Gesellschaft Witten, der Freundeskreis der Israelfahrer e. V., Kirchengemeinden, Schulen, Parteien, Vereine und Verbände erinnern seit über dreißig Jahren in Witten mit verschiedenen Formaten zur Erinnerungskultur und in Veröffentlichungen an die Opfer des Nationalsozialismus. Auch am diesjährigen Holocaust-Gedenktag wollen die Akteurinnen und Akteure dem Vergessen entgegenwirken, ihre Trauer über den Verlust und das unfassbare Leid der Opfer ausdrücken, dies auch, um der Gefahr einer Wiederholung entgegen zu wirken.

Das ehemalige KZ-Außenlager Buchenwald in Witten-Annen

Bei dem heutigen Erinnerungsort im Stadtteil Annen (Bereich Westfeldstraße / Immermannstraße) handelt es sich um die Restfläche eines Areals, das seit 1941 als NS-Zwangsarbeitslager und ab September 1944 bis Mitte April 1945 als Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald diente. Es war Teil des nationalsozialistischen Lagersystems. Dieser authentische Ort des NS-Verbrechens wurde in den 1980er Jahren von Schülerinnen und Schülern des Albert-Martmöller-Gymnasiums unter der Leitung von Helmut Schorlemer wiederentdeckt. Seitdem hat das städtische Gelände als Teil des nationalsozialistischen Vernichtungssystems im öffentlichen Gedenken eine zentrale Rolle: 1992 wurde die Fläche unter Denkmalschutz gestellt und es folgten archäologische Untersuchungen und historische Forschungen, die von der Stadt Witten beauftragt und fachlich begleitet wurden.

Auschwitz

Auschwitz-Birkenau steht symbolisch für alle Verbrechen und den millionenfachen Mord des NS-Regimes. Das größte nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager wurde 1940 auf Befehl des Reichsführers-SS und Chefs der deutschen Polizei, Heinrich Himmler, etwa 60 Kilometer westlich von Krakau errichtet. Das Gelände befand sich nahe der Stadt Oswiecim im polnischen Ostoberschlesien.

Zunächst wurden 300 Juden aus der näheren Umgebung für Bauarbeiten herangezogen. Ab Juni 1940 trafen die ersten SS-Gefangenentransporte in Auschwitz ein. Anfang März 1941 waren bereits 10.900 Gefangene registriert. Ein Jahr später befahl Himmler den Bau eines zweiten Lagerkomplexes, Auschwitz II oder Birkenau genannt. Anschließend wurde ein drittes Lager – Auschwitz III – im nahegelegenen Monowitz errichtet. Im Lauf der Zeit entstanden weitere Nebenlager. Die meisten Gefangenen wurden in Birkenau eingeliefert - in der Mehrzahl jüdische Menschen aus Deutschland und Polen. Im Juni 1941 erhielt der erste Lagerkommandant von Auschwitz, Rudolf Höss, von Himmler den Auftrag zur Errichtung von Massenvernichtungsanlagen für die „Endlösung“ der Judenfrage. Der systematische und in Arbeitsteilung begangene Massenmord erfolgte ab Januar 1942. Die ersten Opfer waren Jüdinnen und Juden aus Oberschlesien, die mit Zyklon B ermordet wurden. Ab Mai 1942 fanden die ersten Selektionen in so genannte arbeitstaugliche und arbeitsunfähige Häftlinge statt. Alte, schwache, kranke Menschen sowie Schwangere und Kinder aus den „Judentransporten“ des Reichssicherheitshauptamtes wurden direkt nach ihrer Ankunft selektiert und ohne Registrierung in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Die fabrikmäßige Ermordung der KZ-Gefangenen in Auschwitz, ihre gezielte, brutale Vernichtung durch Zwangsarbeit und die schrecklichen medizinischen Versuche an ihnen sind für uns heute nach wie vor unfassbar – das Leid der Opfer ist unermesslich.

Die SS betrieb die Gaskammern von Auschwitz zwei Jahre und zehn Monate. Allein im Vernichtungslager Auschwitz wurden mehr als eine Millionen Frauen, Männer und Kinder auf bestialische Weise ermordet. Als am 27. Januar 1945 Einheiten der Roten Armee in Auschwitz einrückten, fanden sie lediglich noch 7.600 Gefangene lebend vor. Um Spuren zu verwischen, trieb die SS etwa 58.000 von ihnen auf die so genannten Todesmärsche. Die sowjetischen Befreier entdeckten am 27. Januar 1945 beispielsweise noch 843.000 Männeranzüge, 837.000 Damenmäntel und -kleider und große Mengen an Kinder- und Babykleidung. Sie fanden 44.000 Paar Schuhe und über sieben Tonnen Menschenhaar, verpackt für den Transport zur industriellen Verwertung.

(24.01.2023 – mkf/lk)

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