Projekt Einzelansicht  - Stadt Witten

"Schwimmbad-Knigge" - Ein Projekt des DRK Witten

Schwimmbad-Knigge

In den Osterferien folgten viele junge Flüchtlinge der Einladung der Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes in Witten, um an einem einwöchigen besonderen Angebot rund um den Schwimmsport, dem sogenannten „Schwimmbad-Knigge“, teilzunehmen. Rund 40 Jugendliche aus den verschiedensten Herkunftsländern, viele davon unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, nahmen damals an den insgesamt 4 Kursen, die jeweils 1 Woche lang, täglich über 8 Zeitstunden gingen und im Rahmen der Wittener Partnerschaft für Demokratie durchgeführt wurden, teil. Gemeinsam mit dem engagierten ehrenamtlichen Ausbilderteam des DRK erlernten sie in Theorie und Praxis die Baderegeln, erkundeten interessiert die verschiedenen Schwimmbäder in Witten und Umgebung, erfuhren dabei viel über die Modalitäten der Eintrittspreissysteme, die Erfordernisse im Rahmen der Hygiene im Schwimmbad und verinnerlichten praxisorientiert grundlegende Abläufe und Modalitäten, wie die Nutzung der Spinde mit Pfandsystem. Darüber hinaus konnten sie fachkundig beleitet ihre individuellen Schwimmfähigkeiten auf- und ausbauen. Schließlich setzten sie sich noch intensiv mit den Gefahren von öffentlichen Gewässern, wie der Ruhr oder dem Kemnader See auseinander. Gut gerüstet, hoch motiviert und ein wenig traurig über das Ende der zwar lernintensiven, aber auch sehr schönen gemeinsamen Zeit im Team der Wasserwacht, beendeten die Teilnehmer das Kursangebot. Spätestens hier war für Bastian Wiebusch, Fachdienstleiter der Wasserwacht beim DRK Witten klar: „Fortsetzung dringend erwünscht!“ So wurde nicht lange geredet, sondern überlegt gehandelt und ein neues Schwimmangebot, besonderes, aber nicht nur für Flüchtlinge, geschaffen. Einmal in der Woche, dienstags von 16:30 Uhr bis 18:00 Uhr, können Flüchtlinge im Schwimmbad der Bommerholzer Grundschule das Schwimmen lernen bzw. ihre bereits vorhandenen Schwimmfähigkeiten ausbauen. „Natürlich sind bei uns alle Menschen, die das Schwimmen lernen und vertiefen wollen, herzlich willkommen. Besonders wird unser Angebot allerdings dadurch, dass wir über die Flüchtlingshilfe zahlreiche Dolmetscher in allen möglichen Sprachen gewinnen konnten, die nun unser Team verstärken und mit viel Herzblut dabei sind“, freut sich Kreisrotkreuzleiterin Tanja Knopp.  Auch die Teilnehmer kommen mit großer Motivation und Freude. Ca. 20 junge Männer trainieren seither regelmäßig begleitet von zahlreichen engagierten Ausbilderinnen und Ausbildern der DRK Wasserwacht nicht nur das Schwimmen, sondern integriert und fast von ganz allein die deutsche Sprache. Auch Ahmed, Ali und Amar sind regelmäßig dabei und haben schon große Fortschritte gemacht: Die verschiedenen Schwimmstile beherrschen sie längst sicher und trainieren nun selbst fleißig für den Rettungsschwimmer oder kümmern sich als Sprachmittler und Helfer liebevoll um neu hinzugekommene Anfänger. Besonders fiel Ali gleich am ersten Tag im Kurs auf. Er konnte zwar nur wenig Deutsch, schwamm aber nicht nur unglaublich sicher und gut, sondern beherrschte auch alle Rettungstechniken. Nach intensivem Gespräch mit Händen und Füßen, stellte sich heraus, dass der junge Syrer in seinem Heimatland selbst Rettungsschwimmer war. Seitdem unterstützt er das Ausbilderteam der Wasserwacht und hat auch dadurch sein Deutsch schon unglaublich verbessert. „Ali ist eine unglaubliche Bereicherung für unser Team und ein echt netter Typ“, freut sich Mira Sophie Anders, die als Freiwillige im Rahmen der Flüchtlingshilfe das Wasserwachtteam verstärkt. Für viele der jungen Teilnehmer steht fest: das Angebot der Wasserwacht des DRK ist mehr als ein Ausbildungsangebot, bei dem das Schwimmtraining im Vordergrund steht – es ist vor Allem gelebte Gemeinschaft, praktizierte Integration. Und so ist für sie klar: Wir bleiben dabei als Aktive in der Wasserwacht und können so das Erlernte besonders gut weitergeben, weil wir ja die Sprachen der meisten anderen Flüchtlinge sprechen und uns gut in sie hineinversetzen können. Außerdem möchten wir durch eine ehrenamtliche Tätigkeit als Rettungsschwimmer ein bisschen was an die Gesellschaft zurückgeben.

„Besonderer Dank gilt der DJK Blau Weiß Annen, die uns die Schwimmzeiten unbürokratisch zur Verfügung gestellt hat. Ohne diese Unterstützung wäre ein solches Angebot nicht möglich. Bedanken möchten wir uns auch bei der Hausmeisterin Frau Jäger, die uns immer sehr herzlich willkommen heißt und neuen Teilnehmern mit viel Geduld alle wichtigen Schwimmbadregeln erklärt. Hier zeigt sich wieder einmal in großartiger Weise: ´Witten engagiert sich. Hand in Hand – für Menschen in Not!´“, unterstreicht Christian Schuh, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, die gute Zusammenarbeit in Witten. „Wir hoffen, dass wir mit Beginn der Freibadsaison nicht nur das bestehende Angebot im Buchholzer Schwimmbad fortsetzen, sondern es mit Unterstützung der Wittener Stadtwerke durch weitere Angebote im Freibad  bedarfsorientiert ergänzen und ausbauen können.“

Unter den folgenden Links findet man weitere Infos und Presseberichte zu dem Projekt.
http://www.dw.com/de/schwimmbadknigge-f%C3%BCr-fl%C3%BCchtlinge/a-19135055

https://tv58.wordpress.com/2016/03/23/junge-fluechtlinge-lernen-engagiert-schwimmen-und-mehr-im-projekt-schwimmbad-knigge/

http://www.derwesten.de/staedte/witten/drk-bietet-kindern-sprachtraining-und-hausaufgaben-hilfe-in-einem-aimp-id11796319.html

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